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Anna schlägt die Augen auf und kann es kaum glauben. Was sie sieht ist äußerst merkwürdig, denn besorgte Gesichter schauen auf sie herab und mehrere Stimmen reden durcheinander auf sie ein: „Hallo?“ „Können Sie mich hören?“ „Ach Du meine Güte, ein Wunder!“

Die Augenpaare, die auf sie gerichtet sind, scheinen erleichtert zu sein, als sie jetzt sagt: „Was ist denn hier los? Wo bin ich?“

Eine männliche Stimme antwortet ihr: „Sie hatten einen Unfall. Ein Lkw hat sie erfasst, aber sie scheinen unglaubliches Glück gehabt zu haben!“

„Ein Lkw?“ Anna schaut fragend in die Runde. Langsam kommt ihre Erinnerung zurück, doch es erscheint ihr als läge diese sehr weit zurück. Denn sie war doch inzwischen bei Bastian gewesen… oder hatte sie sich das alles nur eingebildet? Aber das war doch nicht möglich!

„Ja“ antwortet die Männerstimme erneut „wissen sie das nicht mehr? Wahrscheinlich ging alles zu schnell. Sie sind mit dem Fahrrad aus der Seitengasse gekommen und der Lkw hat sie direkt erfasst. Sie müssten eigentlich tot sein!“

Das war ich doch auch fast, denkt Anna, wenn Bastian mich nicht gerettet hätte. Aber gleichzeitig realisiert sie, dass das wohl nicht sein kann. Denn um sie herum sieht sie die Menschen, neben ihr liegt das Fahrrad und jetzt sieht sie auch den sehr bleichen Lkw-Fahrer, der nicht weit von ihr entfernt steht und ungläubig den Kopf schüttelt.

Aber irgendwas ist doch anders. Anna spürt es genau und unwillkürlich hebt sie ihre rechte Hand und fasst sich an die Brust. Und dort, unter ihrer Kleidung und somit für niemanden sichtbar, kann sie es fühlen – das Auryn. Es war noch da! Also hatte sie sich doch nicht alles nur eingebildet.

Trotzdem ist sie verwundert. Sollte sie nicht in Fantasien sein? Sollte sie nicht in diesem Land sein, das… ja was eigentlich? Plötzlich wird ihr klar, dass sie überhaupt kein eigenes Bild von Fantasien hat. Sie hatte nur die Bilder im Kopf, die sie aus den Erzählungen ihres Bruders kannte.

War sie deshalb wieder in der normalen Welt gelandet? Aber hatte nicht Bastian bei seiner Reise auch im Nichts gestartet und Fantasien allein aus einem übriggebliebenen Sandkorn durch seine Wünsche neu erschaffen und gestaltet? Warum durfte sie es nicht genauso machen? Warum wurde sie einfach so in ihre alte Welt zurückgeschickt, wo dieser Ort doch so viel Leid und Kummer für sie bedeutet hatte?!

Ihre Gedanken werden jäh unterbrochen durch die Stimme einer Frau, die jetzt zu ihr spricht:

„Bleiben Sie ganz ruhig liegen, junge Frau. Mein Team und ich werden sie jetzt vorsichtig auf die Bahre legen und dann fahren wir ins Krankenhaus. Haben sie irgendwo Schmerzen?“

Anna schüttelt den Kopf.

„Nein“ sagte sie und erhebt sich ruckartig. „Nein, ich habe keine Schmerzen und ich fahre in kein Krankenhaus! Das ist alles nicht fair!“ ruft sie empört aus.

Sie rappelt sich auf, schiebt die ihr helfen wollenden Hände beiseite, hebt ihr zerbeultes Fahrrad auf und stapft wütend davon.

Hinter sich lässt sie die erstaunt dreinblickende Menschenmenge einfach stehen.


2 Gedanken zu „– 8 –

  1. Hallo Christina,

    schöne Geschichte! Gefällt mir 🙂
    Du wurdest mir in Fb als Freundin vorgeschlagen, so bin ich über Deinen Post hierher gekommen.

    Die Idee mit dem Blog find‘ ich toll! Die werde ich wohl übernehmen 😉 Ich habe nämlich auch angefangen, ein Kinderbuch zu schreiben und habe schon viel zu lange eine Bremse… Aber vielleicht hilft mir so ein Blog und die Öffentlichkeit, um weiter zu machen 🙂

    Ich bin gespannt wie‘s weiter geht!

    Was war Dein Grund, diesen Blog zu erstellen?

    Herzliche Grüße
    Christoph

    1. Hallo Christoph,

      danke für Deinen Kommentar und das schöne Feedback!
      Die Idee mit dem Blog nennt sich „Live-Schreiben“ und inspiriert dazu hat mich unter anderem Katja Glöckler (Schreibcoach).

      Ich wünsch Dir sehr, dass es Dir hilft, Dein Buch weiterzuschreiben! Go for it! 🙂
      Alles Liebe
      Christina

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